Was der Markt gerade neu einpreist... Wochenrückblick KW 35


FINQ Research 35

Die Handelswoche ist vorbei!

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns: Nvidia lieferte erneut beeindruckende AI-Zahlen, Kevin Warsh setzte in Jackson Hole einen klar hawkishen Ton und die US-Inflation blieb hartnäckig über dem Fed-Ziel. Gleichzeitig bewegten Treasury-Renditen, neue Bond-Buybacks und weitere starke AI-Earnings die Märkte.

🤖 1. Nvidia – der AI-Boom geht weiter
Nvidia lieferte erneut starke Zahlen mit 89 Mrd. US-Dollar Data-Center-Umsatz (+18 % QoQ) und unterstreicht damit, dass der globale AI-Investitionszyklus weiterhin auf Hochtouren läuft.

🏦 2. Jackson Hole – Warsh bleibt hawkish
Kevin Warsh machte in seiner ersten großen Rede als Fed-Chef klar, dass 3,7 % PCE-Inflation weiterhin deutlich zu hoch sind und die Fed daher vorerst keinen Grund für schnelle Zinssenkungen sieht.

📈 3. Der Bondmarkt reagiert
Die 2-jährige Treasury-Rendite sprang auf rund 4,34 %, während die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von etwa 35 % auf 57 % stieg – „Higher for Longer“ ist zurück.

🌡️ 4. PCE – Inflation bleibt das Problem
Die PCE-Inflation lag im Juli bei 3,7 % YoY, womit der Preisdruck weiterhin deutlich über dem 2-%-Ziel der Fed liegt und den Spielraum für eine lockerere Geldpolitik begrenzt.

🇺🇸 5. US-Wachstum kühlt sich ab
Das annualisierte US-BIP-Wachstum lag im zweiten Quartal bei nur 1,5 % – die Fed steht damit zunehmend zwischen hartnäckiger Inflation und nachlassender Wachstumsdynamik.

💻 6. Marvell – gute Zahlen reichen nicht mehr
Marvell meldete einen Rekordumsatz von 2,74 Mrd. US-Dollar (+37 % YoY) und +46 % Data-Center-Wachstum, trotzdem verlor die Aktie rund 10 % – ein gutes Beispiel für die extrem hohen Erwartungen im AI-Sektor.

💵 7. Treasury-Buybacks im Fokus
Scott Bessent rückte mit weiteren Rückkäufen langlaufender US-Staatsanleihen den Treasury-Markt in den Fokus, während hohe langfristige Renditen weiterhin eine Belastung für die Financial Conditions darstellen.

💸 8. Kapital verlässt US-Aktienfonds
Aus US-Aktienfonds flossen netto 22,33 Mrd. US-Dollar ab – der größte Wochenabfluss seit März –, während gleichzeitig 7,12 Mrd. US-Dollar in Anleihefonds flossen.

🏗️ 9. AI treibt die US-Investitionen
Laut Warsh wachsen die US-Unternehmensinvestitionen aktuell um rund 9 % YoY, wobei mehr als die Hälfte des diesjährigen CapEx-Wachstums auf AI-Investitionen zurückzuführen sein soll.

📊 10. Das große Bild
Der Markt bleibt damit im Spannungsfeld zwischen starkem AI- und Gewinnwachstum auf der einen sowie hartnäckiger Inflation, hohen Bewertungen und steigenden Zinsen auf der anderen Seite.

Damit war die zentrale Story der Woche ziemlich eindeutig: Der AI-Boom bleibt fundamental stark – aber gleichzeitig wird das makroökonomische Umfeld wieder anspruchsvoller. Nvidia und Marvell zeigen enormes Wachstum, während Warsh dem Markt klargemacht hat, dass die Fed angesichts von 3,7 % Inflation noch lange nicht am Ziel ist.

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Marktübersicht

Wirtschaftsdaten

7 Jahre Bond Auktion (längste Auktion der Woche)

Kupon: 4-1/2%
Höchste akzeptierte Rendite: 4.512%
Zuteilungsquote zum höchsten akzeptierten Gebot: 97.63%
Ausgabepreis: 99.928654
Medianrendite: 4.460%
Niedrigste akzeptierte Rendite: 4.350%
Fälligkeit: August 31, 2033

Wettbewerbliche Gebote: $43,893,808,500
Primärhändler: $5,383,187,500
Direkte Bieter: $11,833,130,000
Indirekte Bieter: $26,677,491,000
Nicht-wettbewerbliche Gebote: $106,307,200
FIMA-Gebote: $0

Bid-to-Cover Ratio: $110,219,963,200 / $44,000,115,700 = 2.50

Fazit:

Die Auktion der 7-jährigen US-Staatsanleihen zeigte insgesamt eine solide Nachfrage. Mit einer Bid-to-Cover Ratio von 2,50 traf das angebotene Volumen auf eine robuste Käuferbasis.

Besonders positiv fiel die Beteiligung der indirekten Bieter aus. Sie übernahmen mit rund $26,7 Mrd. etwa 61% des kompetitiv zugeteilten Volumens. Gleichzeitig entfielen lediglich rund $5,4 Mrd. bzw. 12% auf die Primary Dealer. Die geringe Dealer-Zuteilung ist grundsätzlich positiv zu werten, da sie zeigt, dass der Markt die Emission weitgehend ohne zusätzliche Aufnahme durch die Händler absorbieren konnte.

Auch die Direct Bidders zeigten mit rund $11,8 Mrd. bzw. 27% eine starke Nachfrage. Zusammengenommen gingen damit knapp 88% der kompetitiven Zuteilung an direkte und indirekte Investoren.

Insgesamt liefert die Auktion damit ein konstruktives Signal für die Nachfrage am mittleren Ende der US-Zinskurve. Trotz einer Rendite von 4,512% wurde das Volumen problemlos vom Markt aufgenommen. Insbesondere die starke Beteiligung institutioneller und internationaler Investoren deutet darauf hin, dass das aktuelle Renditeniveau weiterhin ausreichend attraktiv ist, um Kapital in US-Treasuries zu ziehen.

US-Daten:

US-Wirtschaftsdaten & Jackson Hole

Die US-Konjunkturdaten zeichneten in dieser Woche ein insgesamt robustes Bild der Wirtschaft. Der Core-PCE-Preisindex stieg im Monatsvergleich um 0,2 % und damit genau wie erwartet, womit die für die Fed besonders relevante Inflationskennzahl zunächst keinen zusätzlichen Preisdruck signalisierte.

Positiv überraschte vor allem die Realwirtschaft. Die Aufträge für langlebige Güter stiegen um 1,1 % und damit deutlich stärker als erwartet (+0,5 %). Auch die persönlichen Einkommen legten mit +0,4 % stärker zu als prognostiziert, während die Konsumausgaben mit +0,2 % ebenfalls leicht über den Erwartungen lagen. Das BIP-Wachstum für das zweite Quartal wurde in der zweiten Schätzung bei 1,5 % bestätigt, nach 2,1 % zuvor. Die US-Wirtschaft verliert damit zwar etwas an Dynamik, zeigt sich insgesamt aber weiterhin widerstandsfähig.

Jackson Hole: Warsh setzt erste geldpolitische Leitplanken

Im Mittelpunkt der Woche stand zudem das Jackson-Hole-Symposium, bei dem der neue Fed-Chef Kevin Warsh seine erste große Grundsatzrede im Amt hielt. Seine Botschaft war klar: Trotz der zuletzt nachlassenden Dynamik sei die Inflation weiterhin zu hoch, weshalb der Kampf gegen den Preisdruck noch nicht als gewonnen angesehen werden könne.

Gleichzeitig vermied Warsh bewusst eine Vorab-Festlegung auf kommende Zinssenkungen. Statt klassischer Forward Guidance stellte er einen streng datenabhängigen Kurs in den Vordergrund. Zinssenkungen bleiben damit grundsätzlich möglich, sind aber keineswegs garantiert. Entscheidend werden die kommenden Inflations-, Wachstums- und insbesondere Arbeitsmarktdaten sein.

Auch vom Arbeitsmarkt kam zum Wochenschluss ein wichtiges Signal: Die vorläufige jährliche Revision der Non-Farm Payrolls lag bei −79.000 Stellen und fiel damit wesentlich moderater aus als die massive Abwärtsrevision von −911.000 Stellen im Vorjahr.

Aus Research-Perspektive bleibt das Gesamtbild damit konstruktiv: Die US-Wirtschaft wächst weiter, der Konsument zeigt sich stabil und gleichzeitig ist bislang keine erneute deutliche Beschleunigung des Inflationsdrucks zu erkennen. Das spricht weiterhin für ein Soft-Landing-Szenario. Die robusten Konjunkturdaten reduzieren allerdings den unmittelbaren Druck auf die Fed, die Geldpolitik schnell zu lockern. Jackson Hole unterstrich genau dieses Bild: Die Fed hält sich alle Optionen offen – und der weitere Zinspfad wird maßgeblich von den kommenden Daten bestimmt.

S&P 500

Chart Highlights

Diese Woche Quartalszahlen

Nächste Woche Quartalszahlen

Fazit zur Woche

Für mich war diese Woche vor allem wieder eine gute Erinnerung daran, wie wichtig es ist, sich nicht von einzelnen Schlagzeilen oder Kursbewegungen verrückt machen zu lassen. Unter der Oberfläche passiert aktuell unglaublich viel – Kapital rotiert, Erwartungen verschieben sich und der Markt wird bei einzelnen Unternehmen deutlich anspruchsvoller. Genau solche Phasen finde ich aber besonders spannend, weil sich langsam herauskristallisiert, welche Trends wirklich Substanz haben und wo vielleicht etwas zu viel Zukunft vorweggenommen wurde.

Ich bleibe deshalb grundsätzlich positiv, gleichzeitig aber auch etwas vorsichtiger. Die Unternehmen liefern weiterhin gute Argumente für steigende Kurse, während uns Inflation, Zinsen und Bewertungen daran erinnern, dass der Weg nach oben wahrscheinlich nicht geradlinig bleiben wird. Am Ende geht es für mich weniger darum, jede Bewegung vorherzusagen, sondern die großen Entwicklungen richtig einzuordnen und bei guten Gelegenheiten vorbereitet zu sein.

Euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

Robin


*Disclaimer: Die in diesem Newsletter enthaltenen Informationen, Einschätzungen, Grafiken und Meinungen dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle dargestellten Inhalte spiegeln ausschließlich die persönliche Meinung des Autors bzw. von FINQ Research wider und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Investments in Finanzmärkte sind mit Risiken verbunden und können zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Historische Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. FINQ Research übernimmt keine Haftung für direkte oder indirekte Verluste, die aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen entstehen

Bis nächste Woche!

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